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Die Stasi im Betrieb

25 Apr

Das Interview führten wir mit Manfred R., ehemaliger Mitarbeiter des VEB Bodenbearbeitungsgeräte „Karl Marx“.

Hatten Sie in Ihrer leitenden Position Kontakt zur Staatssicherheit?

Gab es auch andere Berührungen mit der Stasi?

Gab es eine Stasi-Akte über Sie?

(Anmerkung der Redaktion: Der von Manfred R. verwendete Begriff  „als Täter“ bezieht sich auf seinen offiziellen Kontakt mit der Staatssicherheit als zuständiger Leiter für Verkauf)

Sie sind oft in den Westen gereist. Gab es auch Kollegen, die das zur „Republikflucht“ genutzt haben?

Sie mussten Beurteilungen schreiben? Gab es noch mehr solcher Aufgaben?

Waren Sie Mitglied der SED?

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Der Mittelpunkt des Lebens

25 Apr

Das Interview führten wir mit Manfred R., ehemaliger Mitarbeiter des VEB Bodenbearbeitungsgeräte „Karl Marx“.

Haben Sie sich mit dem BBG identifiziert?

Haben Sie noch mit ehemaligen Arbeitskollegen Kontakt?

Wie war das kollegiale Umfeld auf der Erprobungsstelle?

Es war also eher freundschaftlich?

Und wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten, also dem ehemaligen Betriebsdirektor?

(ls)

Kubaner in Großzschocher

31 Mrz

Das Interview führten wir mit Manfred R., ehemaliger Mitarbeiter des VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig.

„Als Grünau neu gebaut wurde, wurde unsere Erprobungsstelle nach Großzschocher verlegt. Und dort daneben wurden drei neue Heime gebaut für die Kubaner. Die stehen übrigens jetzt noch, unbewohnt. Das waren über hundert Kubaner.

Es gab sicherlich zwei Gründe, vermute ich mal, weswegen die hergeholt wurden. Obwohl viele Leute unproduktiv eingesetzt waren, also eigentlich genug Arbeitskräfte vorhanden waren, hat jeder nach Arbeitskräften geschrien. Das war seltsam. Alle brauchten noch zusätzliche Arbeitskräfte. Da war das ganz günstig, dass man diese Leute bekam. Andererseits war es natürlich im kubanischen Interesse, dass die Leute in der Industrie ausgebildet wurden. Ich würde sagen, der Vorteil lag mehr bei den Kubanern. Einmal haben sie die Sprache gelernt und dann waren sie wirklich richtig in der Produktion drin und haben vieles mit nach Hause nehmen können. Auch die Vietnamesen, die hatten wir allerdings weniger. Die waren eher in anderen Betrieben.

Die Kubaner waren eher unter sich. Mit Ausnahme von wenigen, die sich eine Frau hier gesucht haben. Das gab es auch, aber das waren wenige. Sonst waren sie sehr isoliert und da hatten einige keine gute Meinung. Auch Leute von unserer Erprobungsstelle. Sie waren direkt neben uns und da haben wir mitbekommen, wenn mal ein bisschen gefeiert und ein bisschen getrunken wurde. Und dann flog auch mal was aus dem Fenster. Deswegen hatten manche keine gute Meinung. Aber ich habe sie dann beruhigt. Ich habe gesagt: ‚Schick mal hundert Deutsche irgendwohin, in ein Land, und die sitzen auf einem Haufen. Die lassen auch manchmal was los, wenn die so isoliert sind.'“

(ls)

Wir mussten ja jetzt zu den Banken!

31 Mrz

Das Interview führten wir mit Manfred R., der ab 1985 die Verkaufsabteilung des VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig leitete.

„Als die Wende kam waren das ganz neue Bedingungen, mit Krediten und Zahlungszielen und dem ganzen finanziellen Drumherum. Das gab es vorher bei uns überhaupt nicht. Da gab es einen Maschinenbereitstellungsplan und da musste geliefert werden. Das war kein Verkauf in dem Sinne, das war ein Ausliefern. Im Ostexport hat man früher Listen mit den anderen kommunistischen Ländern ausgetauscht. Und wenn man auf der Liste stand, ging das Zeug dorthin und die lieferten dafür was anderes in die DDR. Wir wussten zwar gar nicht was, aber das ist egal. Wenn das drauf stand, ging das dorthin, da war das erledigt. Die Preise waren vorher ausgehandelt worden.“

Der Verkauf wurde vom Außenhandelsbereich in Berlin geregelt und bei der Wende waren die dann weg und wir standen alleine da – und mussten weiter verkaufen. Das war ein schweres Los. Ich habe gleich Verbindung aufgenommen mit einer westdeutschen Landwirtschaftsmaschinenfirma. Da bin ich einfach nach Westdeutschland gefahren mit dem Auto – ich wusste ja, wo die sind – bin rein und habe gesagt: ‚Na, können wir denn nicht zusammenarbeiten?‘ Und das hat sich dann entwickelt. Wir haben von denen Erzeugnisse übernommen, die wir dann produziert haben. Die haben auch gut dabei verdient, weil wir es sehr billig gemacht haben. Und wir hatten gleich Absatzgebiete dadurch. Der Partner, den ich dort hatte, der hat mich richtig väterlich behandelt.“

Wir mussten ja jetzt zu den Banken! – wir brauchten ja Geld. Wir haben bis 1993 noch viel exportiert in die ehemalige Sowjetunion. Das lief jetzt nicht mehr so wie früher, es war natürlich Schluss mit den Listen. Jetzt brauchten die Kredite von uns, sonst hätten die uns nichts mehr abgenommen. Bei der Bayrischen Vereinsbank, die gab es damals noch, hatten wir einen prima Kerl. Der hat gewusst, dass wir davon keine Ahnung haben. Woher sollten wir das auch wissen. Der hat uns dann erst einmal aufgeklärt, wie das läuft mit den Verträgen und den Krediten und mit den Banken. Da habe ich dann immer so dicke Vertragsunterlagen bekommen, die ich mir angucken musste. Ich musste dem glauben, was da drinsteht. Und dann habe ich für zehn Millionen solche Verträge unterschrieben… Aber ich wusste genau, das meiste verdienen die. Die haben bestimmt zehn Prozent von der Summe draufgeschlagen auf den Preis und haben das verdient. Für uns war es aber auch prima, dass wir unsere Maschinen weiter liefern konnten bis 1993.“

(ls)

Die Privatisierung des VEB BBG

31 Mrz

Das Interview führten wir mit Manfred R., der ab 1985 die Verkaufsabteilung des VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig leitete.

„Wir unterstanden dann nach der Wende der Treuhand und hatten einen Aufsichtsrat. Im Vorstand waren wir noch zu dritt: Der ehemalige Betriebsdirektor war der Chef im Vorstand, also der Sprecher. Ich war noch drin als Kaufmännischer. Und da waren wir ja vorher viel mehr im Direktorat waren, habe ich auch die ganze Technik, zwei Produktionsbereiche dazubekommen. Und dann gab es noch einen Dritten, der war fürs Controlling zuständig.“

„Aber ’93 war Schluss, dann kam die Privatisierung und da haben sie uns regelrecht rausgeschmissen. Das ging ruckzuck. Da hat der Aufsichtsrat abends getagt und danach haben sie uns hereinbestellt und haben gesagt: ‚So, Herr R., Sie wissen ja selbst, Ihr Absatz in Westdeutschland der läuft nicht richtig.‘ Der konnte ja gar nicht laufen, wie soll das denn gehen. Es gab feste Handelsstrukturen: Das waren vor allem Raiffeisengenossenschaften, BAIWA und auch private Händler. Die hatten ihre Firmen dort drüben und wenn wir dorthin kamen, dann haben sie gesagt: ‚Was wollen Sie hier? Wir haben Billigerzeugnisse, wir haben Premiumerzeugnisse, da passen Sie nicht mehr rein.‘ Und wie soll ich da ein Vetriebsnetz innerhalb von Monaten aufbauen. Der Absatz lief tatsächlich schlecht in Westdeutschland. Aber es war vorgeschoben um uns loszuwerden, weil die Privatisierung dann kam. Der neue Unternehmer wollte seine eigenen Leute mitbringen in die neue Firma. Und das hat er dann auch gemacht.“

„Aber ich kann nicht klagen. Wir waren eigentlich mit die ersten, die für Ostverhältnisse eine ordentliche Abfindung erhalten haben. Ich wurde nach Berlin bestellt, zur Treuhand, und da wurde mir ein dicker Vertrag vorgelegt. Aufhebungsvertrag nannte sich das, obwohl es ein Rausschmiss war. Und das sollte ich mir durchlesen. Ich konnte noch drei Monate leitender Angestellter bleiben, damit ich dann Arbeitslosengeld kriege – kann aber zu Hause bleiben. Und ich durfte das Auto noch ein paar Monate behalten. Ich habe gesagt: ‚Gut, okay, unterschreibe ich.‘ Für unsere Verhältnisse war es gut. Ein westdeutscher Manager würde sagen: ‚So ein Trinkgeld, da bleibt mal schön weg.'“

„Nach der Privatisierung ist BBG von hier in die Rippachtalstraße gezogen. Das fand kurz nach meiner Entlassung statt. Also hier in der Karl-Heine-Straße war das dann zu Ende. Ich habe immer schon meinem Betriebsdirektor bzw. dann dem Vorstandsvorsitzenden gesagt: ‚Wir müssen hier raus, der Betrieb ist zu groß für uns.‘ Wir waren ja mal ursprünglich 3000 Leute und sind dann runter auf 400/500, ich weiß nicht wie viele. Jeden Tag wurden es weniger. ‚Wir müssen hier raus, wir haben viel zu hohe Fixkosten.‘ Und da habe ich immer schon ein Auge Richtung Großzschocher geworfen und dort sind sie dann auch hingezogen.“

„Der Vorstandsvorsitzende durfte noch ein Jahr bleiben, aber nicht mehr im Vorstand, sondern als Berater für die neuen Leute.“

(ls)

Nicht nur am Frauentag stark

31 Mrz

Manfred R. erinnert sich, dass die Frauen bei BBG nicht nur am Frauentag eine starke Position inne hatten. Die meisten waren in der Verwaltung eingesetzt, auch im Verkauf arbeiteten viele Frauen. Die Abteilung Versand wurde von einer Frau geleitet, laut Manfred R. „eine ganz ausgezeichnete Leiterin“. Obwohl es dort wohl sonst fast ausschließlich Männer gab und auch mal etwas derber zuging. Die Inventur hatte ebenfalls eine Frau an ihrer Spitze: „ganz hervorragend fachlich und vom Durchsetzungsvermögen“. Die Abteilung Forschung und Entwicklung hatte in der Planung eine „resolute“ Frau als Chefin. „Sie hat bestimmt, so ungefähr, wer welche Prämie kriegt.“

Manfred R. erzählt weiterhin: „Sie hatten ihre festen Positionen. Eine gewisse Distanz zu ihnen gab es schon. Manchmal musste man was sagen, wenn sie im Büro zu viel gekungelt haben.“

(ls)

Kurzbiografie Manfred R.

29 Mrz
  • 1935 Körbitz nähe Jüterbog geboren
  • 1953 – 1959Studium Maschinenbau und Landmaschinenbau in Dresden
  • Mai 1959 Beginn der Arbeit als Konstrukteur bei VEB Bodenbearbeitungsgeräte „Karl Marx“ Leipzig, einschließlich der Erprobungsstelle
  • 1970 -1974 Fernstudium Informationstechnik
  • bis 1985 Leiter der Erprobungsstelle für Landmaschinen
  • 1985 – 1990 Leiter der Verkaufsabteilung
  • 1990 – 1993 Vorstandsmitglied der AG BBG
  • ab 1993 in Rente

(ls)