Firmenporträt VEB Bodenbearbeitungsgeräte

2 Feb

Der Landwirt und Erfinder Rudolph Sack (1824-1900) gründet 1863 die Firma „Rud. Sack“. Seine von ihm entwickelten Pflüge werden für lange Zeit im In- und Ausland zum Inbegriff für Qualität bei Landmaschinen. Durch seinen raschen Erfolg benötigt er bald ein eigenes Grundstück, welches er an der heutigen Karl-Heine-Straße erwirbt. Die Firma mit 30 Mitarbeitern stellt Pflüge, Krümelwalzen, Hack- und Drillmaschinen her. 1890 ist die kleine Firma zu einem Großunternehmen herangewachsen mit 25 Gebäuden und 600 Arbeitern. Daraufhin wird sie 1891 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt.

In der Folgezeit wird das Unternehmen von den Söhnen und Enkeln Rudolph Sacks weitergeführt. Ab 1934 werden Rüstungsaufträge, vor allem für MG-Zubehör, angenommen.

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen wird der Betrieb am 16. April 1945 stillgelegt und die rund 3500 Arbeiter entlassen. Kurze Zeit später, am 28. Mai 1945, wird der Betrieb mit 189 Arbeitern und 35 Angestellten wiederaufgenommen. Die Arbeit erfolgt unter widrigen Umständen, da durch den 2. Weltkrieg die Infrastrukturen der Firma und der Stadt zerstört sind, Zulieferungen ausbleiben und Absatzlinien im In- und Ausland wegbrechen. Auch fehlt es an Facharbeitern und Leitungspersonal. Im Juli 1945 ziehen die amerikanischen Besatzer ab und ab dem 30. Oktober steht der Betrieb unter der Zwangsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration. Ab 1946 erfolgt zur Wiedergutmachung die Demontage von circa 60 Prozent der Maschinen und Ausrüstung.

Am 1. Juli 1948 wird der Betrieb enteignet und die „Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte-Fabrik, vormals Rud. Sack Volkseigener Betrieb“ (VEB BBG) gegründet. Zu diesem Zeitpunkt sind 1250 Mitarbeiter in dem Betrieb beschäftigt. In den 1950er Jahren wächst der BBG zum größten Betrieb für Landtechnik in Ostdeutschland heran. Am 16. September 1983 wird anlässlich des 165. Geburtstages und des 100. Todestages von Karl Marx der Ehrenname „Karl Marx“ verliehen.

Die Wiedervereinigung führt auch hier zu großen Umwälzungen: Altschulden, die Währungsreform sowie der Wegfall von Lieferanten und Abnehmern führen zu enormen Finanzproblemen. Durch seine Größe und Struktur ist der VEB zudem für Investoren uninteressant. Am 1. Juni 1990 wird die BBG Leipzig AG durch die Treuhandanstalt Berlin (THA) gegründet. Es folgt eine radikale Verkleinerung des Betriebs. Hunderte Arbeiter werden entlassen, Hallen abgerissen, zuletzt erfolgt der Umzug zum neuen Standort am Weidenweg (heute Rippachtalstraße 10). Die Belegschaft schrumpft von ehemals 3400 Ende 1989 auf 1372 im August 1992.

Die Privatisierung erfolgt am 1. Oktober 1993 mit der Bildung der BBG GmbH Leipzig, die nun noch ca. 150 Mitarbeiter beschäftigt. Neuer Eigentümer ist die Franz Kleine GmbH & Co KG Salzkotten. Als diese 1998 Insolvenz anmeldet, wird der BBG weitergeführt von den heutigen Besitzern, dem Familienunternehmen Amazone-Werke GmbH & Co KG aus Hasbergen-Gaste bei Osnabrück.

(ls)

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